Chronik    1907 - 2007



Die Geschichte der Chorgemeinschaft Liederkranz Eggenstein 1907 e.V.

1907
Am Neujahrstag des Jahres 1907 versammelten sich im Gasthaus zur „Krone“ 71 Personen. Sie erklärten sich ohne lange Bedenkzeit sofort bereit, den neuen Verein tatkräftig zu unterstützen und ihm als aktive und
passive Mitglieder beizutreten. Mitbegründer Adolf Bolz und  damaliger Kronenwirt, stiftete dem Verein den Betrag von 150 Mark und  einen Notenschrank, so dass durch diese großzügige Gabe der Verein  sofort lebensfähig war und die Arbeit aufnehmen konnte. Ein  musikalischer Leiter für die Sängerschar war auch bald gefunden. Es  wurde Herr Wagner aus Karlsruhe mit dieser Aufgabe betraut. Mit den  Proben wurde sofort nach der Gründungsversammlung begonnen. Das  erste Lied,  welches der neue Verein einstudierte, hieß: 
 „ Die Auserwählte“.

Noch im Januar 1907 wurde eine Generalversammlung einberufen, um eine
Verwaltung zu wählen, sich über den Namen des Vereins zu einigen und die Statuten festzusetzen. Die Versammlungsteilnehmer einigten sich auf den Namen Männergesangverein „Liederkranz“. 

Zum ersten Vorstand des Vereins wurde Willhelm Ratzel gewählt.

Schnell stieg man in der Gunst der Ortsbewohner, da sich der junge Verein gerne bei Veranstaltungen anderer Ortsvereine zeigte, deren
Veranstaltungen mit Gesang verschönte und das Programm bereicherte.
Dies war nicht zuletzt der neu gewählten Vorstandschaft mit Wilhelm
Ratzel an der Spitze zu verdanken. Auch heute noch ist es für den
Liederkranz eine Selbstverständlichkeit den anderen Ortsvereinen mit
ihrer Präsenz ihre Wertschätzung zu zeigen. Das erste Preissingen,
an dem sich der junge Verein beteiligte, fand schon im Sommer 1907 in
Bulach statt. Trotz der kurzen Zeit des Probens schnitt der
„Liederkranz“ recht gut ab.

1909
Im Jahre 1908 berief die Vereinsleitung Martin Greulich aus Karlsruhe
zum musikalischen Leiter. Er begleitete, mit Unterbrechungen, Jahrzehnte den Verein und gab ihm sein chorisches Gepräge für lange Zeit. Seinen gesangspädagogischen Fähigkeiten verdankte der Verein die großen Erfolge bei verschiedenen Preissingen der folgenden Jahre. Die gesanglichen Erfolge ließen die Mitgliederzahl gewaltig ansteigen. Sie betrug am 7.Januar 1909 bereits 127 Mitglieder, was dazu führte, dass schon nach zweijährigem Bestehen im Mai 1909 der „Liederkranz“ seine Fahnenweihe begehen konnte.

1912
Schon 5 Jahre nach der Gründung, am 18. Januar 1912, konnte der Verein
sein Stiftungsfest mit einem Ball und einer Theateraufführung feiern. Mit Stolz wurde vermeldet, dass der Eggensteiner Liederkranz inzwischen auf 151 Mitglieder angewachsen war. Der Verein war im Laufe des Jahres gezwungen, einen Dirigentenwechsel vorzunehmen. Für Martin Greulich, der in seiner Eigenschaft als Lehrer versetzt wurde,verpflichtete man Herrn Mangold aus Grünwinkel.

1913
Am 15. Mai 1913 fand ein Gesangswettstreit des „Frohsinn“ in
Kirrlach statt, zu dem sich auch der Liederkranz, nach eingehender
Beratung, angemeldet hatte. Schon sehr früh am Morgen mussten die
Fuhrwerke angespannt werden um die „halbe Weltreise“ zu bewältigen und rechtzeitig zum Auftritt zu kommen. Der Verein ersang sich unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Mangold, in der II. Landesklasse den Ia Preis, ausgelobt mit 60 Mark in Gold, einem silbernen Pokal, goldener Medaille und Ehrendiplom. Es war dies der schönste Erfolg, den der Verein seit seinem Bestehen zu verzeichnen hatte. Ausgiebig wurde in der Fremde gefeiert und Gott sei Dank fanden die Pferde schließlich den Weg fast allein nach Hause.
Das stete Wachstum und die qualitativ gesangliche Reife des Vereins
wurden im August 1914 durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges jäh
gebremst. Für fast fünf Jahre ruhte das Vereinsleben.

1919
Bei der 1. Generalversammlung am 2. Februar 1919 wurde die gesamte
Verwaltung mit Vorstand Wilhelm Ratzel wieder gewählt. Mit Energie
und Tatkraft stellte Vorstand Wilhelm Ratzel den Verein wieder auf die Beine und führte die Vereinsgeschicke bis 1937 mit Erfolg weiter.

Mit Feuereifer gingen die Sänger ans Einstudieren neuer Chorwerke, um
recht bald wieder an die Öff Öffentlichkeit treten zu können.
Schon im folgenden Jahr konnte der Verein wieder an verschiedenen
Gartenfesten befreundeter Ortsvereine teilnehmen und durch
Gesangsvorträge diese Feste verschönern. Unter anderem beteiligte sich der Verein am 18. Juni 1920 mit Liedvorträgen bei der Platz- und Klubhauseinweihung des FC Alemannia 05 Eggenstein.
Martin Greulich verstand es, durch seinen unermüdlichen Einsatz den Verein in diesen Jahren von Erfolg zu Erfolg zu führen. Im Eggensteiner
Vereinsleben wurde der Liederkranz einer der bestimmenden Vereine und
seine alljährlichen Winterfeste waren immer ein bedeutendes Ereignis
für die Gemeinde. Von jedem Preissingen kehrte der Liederkranz
mit Ruhm bekränzt nach Hause.

1928
Im Auftrag des Vereins fuhren die Mitglieder Karl Haaf, Albert Hanakam
mit Frida Maier und Adolf Knobloch im Juli 1928 zum Deutschen
Bundessängerfest nach Wien. Die zur Repräsentation mitgenommene
Vereinsfahne wurde mit einer schönen Medaille behängt.
Nach ihrer Rückkehr wurden die Sänger, der damaligen Tradition folgend, am Ortseingang abgeholt und mit Sang und Klang durch den Ort ins Vereinslokal begleitet. Zum Deutschen Bundessängerfest am 28.Juli
1937 fuhren gleich sechs Sänger als Liederkranzabordnung mit der
Vereinsfahne nach Breslau. Den Berichten und der Presse zufolge, muss
dieses Fest bei den Liederkränzlern einen nachhaltigen Eindruck
hinterlassen haben. Ganz augenscheinlich war für die Eggensteiner
Delegation auch die Ansprache von Adolf Hitler ein besonderes
Erlebnis. Die Sänger kamen wieder mit einer schönen Medaille für
die Fahne zurück.
Noch heute schmücken diese mit viel Stolz
erworbenen und gesammelten Medaillen die Vereinsfahne.

1937
Bei der Generalversammlung am 7. März 1937 gab der langjährige
Vereinsvorsitzende Wilhelm Ratzel sen. aus gesundheitlichen Gründen
das Ruder des Vereinsschiffs aus der Hand. Ihm verdankte der Liederkranz seinen Erfolg und sein schnelles Aufstreben. Dreißig Jahre denselben Vorstand. Dieser glückliche Umstand, den die wenigsten Vereine genießen durften, machte den Verein so erfolgreich. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Wilhelm Ratzel jun. gewählt, der die Geschicke des Vereins durch die schwere Zeit des 2. Weltkrieges bis 1945 führte. Kaum jedoch hatte das neue Vereinsjahr begonnen, wurde der im Amt junge Vorstand auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Dirigent Kurt Zimmermann versuchte die Singstunden von Samstag auf den Freitag zu verlegen. Doch damit stieß er auf großen Widerstand der Sänger. Die Aufregung war sehr groß. Auch die Vereinsleitung lehnte diesen Vorschlag konsequent ab, woraufhin Dirigent Kurt Zimmermann fristlos kündigte und sein Amt zur Verfügung stellte. Wieder einmal half der allseits beliebte Ehrendirigent Martin Greulich seinem Verein aus der Patsche und kam gleich zur nächsten Singstunde, wo er mit allen Ehren freudig begrüßt wurde.

1939
DerKriegsausbruch 1939 unterbrach jäh das Vereinsleben. Während des
Krieges waren fast alle Sänger zum Wehrdienst eingezogen, so dass
keine Singstunden mehr stattfanden.
Nur noch ein paar ältere Sänger hielten den Gedanken an das Deutsche Lied wach und schlossen sich mit dem Gesangverein Frohsinn zusammen, um wenigstens die während des Krieges in der Heimat verstorbenen Sangesfreunde zur letzten Ruhe zu geleiten und bei Trauergottesdiensten
mitzuwirken.

1946
Nach Ablauf des Krieges (1939 – 1945) konnte der Liederkranz seine
Tätigkeit nicht sofort wieder aufnehmen, obwohl man kulturell ausgehungert war. Es mussten erst einige Genehmigungen bei der
Militärregierung eingeholt und viele Hürden überwunden werden, bis
sich die alten Sangesfreunde und die inzwischen aus der
Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Sänger zu einer ersten bescheidenen Mitgliederversammlung am 10. März 1946 im „Anker“ trafen. Freudig vernahmen die Sänger, dass fast das ganze Notenmaterial und das Vereinsinventar noch in gutem Zustand waren. Laut Beschluss der amerikanischen Militärregierung musste die alte Verwaltung aufgelöst werden, und ein so genannter „nicht belasteter Vorstand“ war zu wählen. Als ersten Vorstand wählte man Friedrich Schmitt, der den Liederkranz erfolgreich durch die Wirren der Nachkriegsjahre führte.
Schon am 13. Oktober 1946 veranstaltete der Verein im Lammsaal ein Konzert unter Mitwirkung des Musikvereins Lyra. Drei Wochen später schaffte es die Theatergruppe der Sänger im voll besetzten Lammsaal die Bevölkerung Eggensteins zu begeistern.

 Mit dem Stück „Bajazzo, das Spiel ist aus“, das auf Wunsch der Gemeindeverwaltung wiederholt wurde, klingelte auch die Vereinskasse wieder und schaffte einen Grundstock für die zukünftige Vereinsarbeit. Diese ersten Erfolge in den harten Nachkriegsjahren waren wohl das zentrale Erlebnis, das die Sänger neu zusammenschweißte, so dass aus versprengten Teilen wieder eine Einheit wurde,  neues Leben blühte aus den Ruinen.

1949
Unter den ersten Nachkriegsjahren hatte auch der Liederkranz zu
leiden.  Wegen großer Geldknappheit konnte der Verein bei verschiedenen Preissingen nicht teilnehmen. Doch der Liederkranz blieb auch in dieser Zeit nicht untätig und hat sich nicht ins stille Kämmerlein zurückgezogen. Mit vielen Auftritten im Ort konnte man die Bevölkerung gerade in dieser entbehrungsreichen Zeit begeistern.
Am Sonntag, den 6. Februar 1949 wurde in der Generalversammlung Wilhelm Ratzel jun. zum 1. Vorsitzenden gewählt, Fritz Schmitt übernahm das Amt des 2. Vorsitzenden, Wilhelm Stutz blieb Kassier und Albert Jahraus Schriftführer. August Stutz als Vereinsdiener und Friedrich Knobloch als Fahnenträger sowie vier weitere Beiräte komplettierten die Vorstandschaft. 
Unter der Führung dieser neuen Vorstandsriege entfaltete nun der Verein
vielfältige Aktivitäten. Es wurden Familienabende, Konzerte, Bunte
Nachmittage, Gartenfeste und Theateraufführungen bei den Weihnachtsfeiern organisiert. Zum 60-jährigen Stiftungsfest des Gesangvereins „Fidelia“ Leopoldshafen am 3. Juli 1949 konnte der
Liederkranz mit dem Lied „Hinaus“ das Publikum begeistern.

Die Winterfeier 1949 im Gasthaus „Zum Lamm“ mit dem Theaterstück
„Das Mädel vom Neckarstrand“ war so erfolgreich, dass man bis in
die frühen Morgenstunden feierte und manch ein Festbesucher erst
gegen 7 Uhr des nächsten Tages nach Hause wankte. Im Protokollbuch
wurde extra festgehalten, dass mancher Sänger auf dem Nachhauseweg
„zu zweit“ war und es eine gelungene Vereinsfeier war.

1957
Viele Krisen, Höhen und Tiefen und 2 Weltkriege musste der Verein seit
seiner Gründung überstehen, um dann 1957 sein 50-jähriges
Gründungsjubiläum zu erreichen.
Dies musste entsprechend glanzvoll gefeiert werden. Die Planungen liefen auf Hochtouren. Das Festwochenende wurde auf den 15. bis 17. Juni 1957 gelegt mit großem Preissingen, Wertungssingen und Konzertsingen.

Dieser Termin musste jedoch geändert werden, da das Landratsamt Karlsruhe Einspruch bezüglich des 17. Juni erhob.
Wörtlich heißt es:
„Zu Ihrer Anfrage wegen der Feier des 50-jährigen Jubiläums
Ihres Gesangvereins vom 15. bis 17. Juni 1957 bemerken wir,  dass wir gegen die Veranstaltung einer „Volksbelustigung“ am 17. Juni stärkste Bedenken haben. Der Charakter des „Tages der Deutschen Einheit“   lässt es nicht zu, dass für Tanzveranstaltungen und Volksbelustigungen wie etwa Schiessbuden, Verlosungen usw. unsere Genehmigung erteilt wird. Eine Rückfrage beim Regierungspräsidium hat diesen unseren Standpunkt bestätigt. Wir halten es deshalb für zweckmäßig, entweder den Termin für die geplante Volksbelustigung auf einen anderen der drei Jubiläumstage zu verlegen oder Ihr in Aussicht genommenes Programm entsprechend zu ändern.“

Daraufhin wurde der Festtermin kurzerhand geändert. Nach einem
Festgottesdienst am 16. Juni, der von Herrn Pfarrer Hans-Jörg
Pfisterer, Sohn des hiesigen Ortsgeistlichen, gehalten wurde, folgte eine Woche später die glanzvolle Fünfzig-Jahr-Feier des
Männergesangvereins Liederkranz 1907 e.V. Eggenstein.  

 Noch lief jedoch nicht alles so „glatt“ wie geplant. Der Sportplatz bei der
Turnhalle, auf dem das Festzelt aufgestellt werden sollte, war zwar
aufgefüllt aber noch nicht eingeebnet. Nun hieß es kräftig in die Hände gespuckt. In gemeinsamer Vereinsarbeit und mit Unterstützung örtlicher Firmen musste das Einebnen in wenigen Tagen bewerkstelligt werden. Lobenswert bei diesem schwierigen Unternehmen waren hier die
Kameradschaft und die Unterstützung der Freunde und Gönner des Vereins. Für die Gärtner Max Hofmann, Wilhelm und Adolf Teuscher,
Albert Schreiber und Theodor Lang war es eine Selbstverständlichkeit
und Ehre, die Dekoration des Festzeltes zu übernehmen.. Ein
Festbankett am 22. Juni unter Mitwirkung der örtlichen Kulturvereine
und der benachbarten Gesangvereine eröffnete den Festreigen.
Festpräsident Bürgermeister Wilhelm Herrmann, der selbst einmal
aktiver Sänger war, überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und
hob die kulturellen Werte des Jubelvereins hervor. Er lobte die Tatsache, dass sich der Liederkranz stets zur Verfügung gestellt habe, wenn es galt, eine Veranstaltung der Gemeinde festlich zu gestalten.

1965
Nachdem Wilhelm Weber nach 10jähriger Tätigkeit seinen Taktstock
niederlegte, übergab die Verwaltung diesen zunächst an den Dirigenten Wolfgang Pallmer.
In seine Zeit fallen die Vorbereitungen zur 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Eggenstein im Jahre 1965. Der Verein umrahmte mit mehreren Auftritten die Feierlichkeiten. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Gedicht                  „Gruß aus Eggenstein“ von Hermann Gretschmann,
                                     das von Waldemar Kaufmann vertont wurde.
Bei diesem großen Ereignis der Gemeinde, durfte der Liederkranz selbstverständlich auch am Umzug mit einem Wagen nicht fehlen. Zum Thema „Tulla und Großherzog“ wurde genagelt, gefeilt, gehämmert, geleimt und gepinselt, bis ein ansprechendes Gefährt gemeldet werden konnte

Da Herr Pallmer für längere Zeit als Chorleiter ausfiel, erklärte
sich Waldemar Kaufmann aus Karlsruhe bereit, als Interimschorleiter
die musikalische Leitung des Chores zu übernehmen. Während der
Sommerpause 1965 bemühte sich die Vereinsleitung um einen neuen
Chorleiter, da Wolfgang Pallmer und Herr Kaufmann dem Verein eine
endgültige Absage erteilten. Auf Zeitungsanzeigen hin meldeten sich
mehrere Interessenten. Die Wahl fiel auf Klaus W. Hodann aus Karlsruhe. Mit ihm übernahm ein Dirigent der jüngeren Generation die musikalische Leitung des Vereins. Der Leistungen des Vereins in den zurückliegenden Jahren bewusst, begann er seine verantwortungsvolle Tätigkeit. Er war ein Glückgriff für den Verein. Die zahlreichen Erfolge, die sich nun einstellten, haben einen Namen, eine gemeinsame Quelle, die sie speist: Chorleiter Klaus W. Hodann.  Er führte den Verein auf eine bis dahin nie da gewesene Höhe, die in zahlreichen Tagesbestleistungen bei Gesangswettbewerben sichtbaren Ausdruck fand. Aufgrund seiner großen Verdienste um den Liederkranz wurde Klaus W. Hodann 1994 zum Ehrendirigent des Vereins ernannt.
Seinem außergewöhnlichen musikalischen Können und seinen musikpädagogischen Fähigkeiten verdankt der Liederkranz sein anhaltend hohes Niveau sowie die vielen Preise und Auszeichnungen.

1968
Bei der Jahreshauptversammlung am 11. Februar 1968 war ein neuer
Vereinsvorsitzender zu wählen. Wilhelm Ratzel jun., der die Geschicke des Vereins nunmehr dreißig Jahre führte, war für eine weitere Kandidatur nicht mehr zu gewinnen. Der neue Vorsitzende wurde
Helmut Dietz.
Mit ihm bekam der Verein einen hervorragenden Organisator, der das Vereinsschiff fest im Griff hatte. Sein Einsatz im Zusammenspiel mit dem Dirigenten und den Sängern war unermüdlich.
In der Ära Dietz erfüllte sich der Verein auch einen lange gehegten
Wunsch, nämlich die Gründung eines Frauenchores, eine Entscheidung,
die längst fällig war. Wer die Zahlen der aktiven Sänger aufmerksam verfolgte, konnte feststellen, dass diese sich nach unten bewegten, der große Männerchor schrumpfte. Schon lange war es nicht mehr selbstverständlich, dass sich aus jedem entlassenen Schuljahrgang einige dem Gesang verschrieben. Die Vereinsführung erkannte rechtzeitig die Zeichen der Zeit und stellte entsprechend die Weichen.

1972
Der Männerchor Liederkranz war 65 Jahre alt, als der Verein das Wagnis
einging, neue Wege zu beschreiten und nicht mehr allein, sondern
gemeinsam mit Sängerinnen „Frau Musica“ zu huldigen.

Erstmals im Oktober 1970 trafen sich 16 Frauen zu einer  Probesingstunde. Die Begeisterung war groß. Nach und nach schlossen sich immer mehr Frauen an. Bei der Winterfeier im Januar 1971 stellte sich der so genannte „kleine“ Chor, unterstützt durch einige wenige Männer, mit der Beatles-Melodie „Yesterday“ den Gästen vor. Dass die
Vereinsführung gemeinsam mit dem Dirigenten den richtigen Weg durch
die Gründung eines Frauenchores, eingeschlagen hatte, zeigte sich
bereits ein Jahr später.
Beim Konzert am 22. April 1972 fand der nunmehr offiziell gegründete Frauenchor mit seinen Liedvorträgen großen Anklang beim Publikum und somit allmählich auch Gnade vor den Augen der strengen Verfechter des reinen Männergesangs.
In den folgenden Jahren erhielt der Verein durch den Zugang zahlreicher
Frauen enormen Aufschwung. Durch intensive Singstundenarbeit unter
der musikpädagogischen Anleitung Klaus W. Hodanns, hat sich der
Frauenchor zu einem ansehnlichen und leistungsstarken Klangkörper
entwickelt.

1976 hat sich die Vereinsführung entschlossen, neben dem Männer- und dem Frauenchor auch einen Gemischten Chor zu gründen.

1983
In der Jahreshauptversammlung 1983 stellte Helmut Dietz sein Amt zur
Verfügung um es in jüngere Hände zu geben. Helmut Dietz verließ den Verein als Vorsitzender, nicht aber als steter Berater, als erfahrener Mann im Hintergrund, als tatkräftiger Unterstützer, als väterlicher Freund, als treuer Sänger, als Motor und falls notwendig auch als "Bremser".
Helmut Dietz hat in den 16 Jahren seines Vorsitzes viel bewegt und die Sorge um seinen Verein immer in den Vordergrund seines Handelns und Denkens gestellt.
Wer würde das Erbe von Helmut Dietz besser antreten können als ein
Enkel des Mitbegründers und ersten Vorsitzenden des Vereins.

Von den 76 Jahren, die der Verein nun schon existierte, stand 60 Jahre
lang ein Ratzel am Ruder. Mit der Wahl von Karl W. Ratzel wurde also
ein „vorbelasteter“ Vereinsführer gefunden, der durch Großvater und Vater eine gute Schule genossen hatte. Die Fortführung der Tradition war ihm immer Verpflichtung, nie Last.

1985
Ein wichtiges Ereignis, das in die Zeit von Karl W. Ratzel fällt, war
1985 der Umzug vom langjährigen Probelokal Gasthaus „Zum Goldenen
Anker“ in den Kronesaal. Mit der Schlüsselübergabe des damaligen
Bürgermeisters Manfred Will an die Vertreter der Eggensteiner
Kulturvereine am 27. 04. 1985 bezog der Liederkranz, neben anderen
Vereinen, die jetzt gemeindeeigene Krone.

Als dann am 04. 05. das Inventar vom Anker in den Kronensaal verlagert
wurde, kam doch bei manchen Sängern eine wehmütige Stimmung auf.
Aber das Schicksal wollte es wohl so,dass der Liederkranz, der 1907
in den Räumen des Krone-Anwesens gegründet wurde, nun in dem neu
umgebauten Saal eine traditionelle, endgültige Bleibe gefunden hatte.

1988
Heinz Neck wurde 1988 in einer vorgezogenen Wahl zum neuen Vorsitzenden gewählt, nachdem Karl Ratzel nach nur 5 Jahren aus beruflichen Gründen sein Amt niederlegte. Heinz Köhler (Vizedirigent) übernahm das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden und Walter Dutzi wurde Schriftführer. Bei der Wahl im Jahre 1989 wurde Heinz Neck in seinem Amt als Vorsitzenden einstimmig bestätigt, ebenso die übrige
Verwaltung. Neu hinzu kamen Ehrenvorstand Helmut Dietz,
Jugendvertreterin und Vizedirigentin Sabine Neck, stellv.
Jugendvertreter wurde Thomas Bolz. Weitere Beiräte ergänzten die
Vorstandschaft. Unter der Regie von Heinz Neck entfaltete nun der Verein vielfältige Aktivitäten. Sein organisatorisches Talent war sprichwörtlich.

Erstmals im Jahre 1990 fand auf dem Kirchplatz vor der evangelischen Kirche am 3. Adventsonntag ein Adventssingen statt, das der Liederkranz mit weihnachtlichen Liedern verschönerte und auch heute noch mit stimmungsvollen Liedern bereichert.

1991
In der Mitgliederversammlung am 26. Juni 1991 wurde mit großer Mehrheit einer Namensänderung von bisher „Gesangverein“ in
„Chorgemeinschaft“ zugestimmt. Die Idee der Namensänderung von
Gesangverein auf Chorgemeinschaft oder ähnlich kam auf Anregung des
Badischen und Deutschen Sängerbundes.

Es hieß dort: „Der Name „Gesangverein“ als solcher wird in der öffentlichen Meinungsbildung als Laienverein – mehr noch als Bierlieder
singendes Volk mit Trinkerqualität - abgewertet. Hier bedarf es, was
die wirkliche Arbeit in einem Laienchor angeht, einer dringenden Aufklärung zur Zurechtrückung seines Stellenwertes. Der Name
„Gesangverein“ behindert teilweise die Anstrengungen bei der Werbung neuer Sängerinnen und Sänger. Man möchte deshalb versuchen, mit einer zeitgemäßen Namensformulierung positiv auf die oben geschilderten Vorurteil einzuwirken.“
Der Liederkranz ist dieser Anregung mit obiger Abstimmung nachgekommen.

1992
Das sicherlich herausragendste Fest war der 20. Geburtstag des
Frauenchors, der vom 16. – 17. Mai 1992 gefeiert wurde. Eine
großartige Konzertreise, organisierte Heinz Neck 1993 mit 107
Sängerinnen und Sänger des Gemischten Chores und des Jugendchores
sowie Freunde des Vereins nach Pardubice/Tschechien In Dvur Králové
(Königinhof) waren die Chöre Gäste des dortigen Gemischten Chores
und wurden mit viel Herzlichkeit aufgenommen. Das am Abend gemeinsame Konzert war für alle Beteiligten ein großes Erlebnis.

Leider gab es im gleichen Jahr noch Unstimmigkeiten, so dass Heinz Neck sein Amt zur Verfügung stellte. Ebenso legte Klaus W. Hodann nach 28
Jahren seinen Taktstock nieder.
Es musste nun schnell ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Und so wurde am 15. Oktober 1993 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Gerald Preiß als neuer Vorstand gewählt.     Heinz Köhler wurde in seinem Amt als 2. Vorsitzender bestätigt und Elke Kleinhans für das ebenfalls freigewordene Amt als Frauenvertreterin gewählt.

Klaus W. Hodann hatte einen intakten Chor mit einem brauchbaren Repertoire hinterlassen. Er hatte 28 Jahre den Männerchor dirigiert und durch viel persönliches Engagement 1972 den Frauenchor mitbegründet. Er hat als musikalischer Leiter die Chöre zu immer höheren Leistungen
motiviert, an die der neue Chorleiter Oliver Grote anknüpfen konnte.

Nach dreijähriger Tätigkeit mußte Chorleiter Oliver Grote 1996 aus beruflichen Gründen den Chor vorzeitig verlassen und versprach für einen gleichwertigen Ersatz zu sorgen. So kam Peter Shannon, damals noch Student an der Musikhochschule Karlsruhe zum Liederkranz.                 Mit Peter Shannon bekam der Liederkranz einen zwar an Jahren relativ jungen, aber doch begabten und hoch qualifizierten Dirigenten an Bord. In seine Schaffenszeit fällt auch die Gründung des Songcircle und die damit verbundene Aufgabe, aus einer Gruppe sangesfreudiger Neulinge, einen Chor zu formen.

1997
In der Jahreshauptversammlung 1997 wurde in vorgezogenen Wahlen
Siegfried Stutz zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Einstimmig
wurde ihm das Vertrauen ausgesprochen. Ebenso wurde Heidi Limbach als Pressereferentin neu gewählt. Zusammen mit dem neuen Dirigenten
Peter Shannon wurden neue Weichen gestellt.
Mit Energie und Zielstrebigkeit ging der neu gewählte Vorsitzende mit der Verwaltung an die ihm gestellten umfangreichen Aufgaben, galt es doch, noch im gleichen Jahr das 90-jährige Jubiläumsfest zu organisieren und das 25-jährige Bestehen des Frauchenchores zu planen.

Nach intensiven Vorbereitungen konnte vom 18. - 20. Juli 1997 das
90-jährige Jubiläum des Liederkranzes gefeiert werden. Die Turnhalle und das Festzelt waren voll besetzt, haben doch allein 50 Vereine am Freundschafts- und Konzertsingen an den beiden Festtagen teilgenommen, dazu kamen noch die örtlichen Vereine und Gastvereine
beim Ehrenabend. Den Gründerfrauen des Frauenchores wurde am
Ehrenabend ein Geschenk des Badischen Sängerbundes überreicht. Mit
einem glanzvollen Konzert beschloss der Liederkranz das 90-jährige
Jubiläumsjahr am 25. Oktober unter Leitung des Dirigenten Peter
Shannon.

Schon der Auftritt des 30-köpfigen Heidelberger Neckarsinfonieorchesters
und des Chores ließ eine feierliche Stimmung in der voll besetzten
Turnhalle entstehen. Der erste Teil hatte „Lieder der Romantik“
zum Thema, im zweiten Teil sang man Opern- und Operettenmelodien.
Ausdrucksstark und mit warmen Stimmen sangen sich die Solisten
Bettina Köhler und Christine Heiler in die Herzen der Zuhörer.
Orchester, Solisten und Chor vermochten mit ihrem stimmungsvollen
Vortrag ihr Publikum zu begeistern. Dem hervorragend geschulten Chor
gelang es unter der souveränen Leitung von Peter Shannon ein
anspruchsvolles Konzert eindrucksvoll und gekonnt darzubieten. Das
Publikum dankte mit minutenlangen, nicht enden wollenden Ovationen.
Mit diesem großen Herbstkonzert konnte der Liederkranz an Erfolge
seiner bisherigen Konzerte anknüpfen. Es war dies der Verdienst des
neuen Dirigenten Peter Shannon, dem es innerhalb kurzer Zeit gelungen
war, ein derart anspruchvolles Programm zu präsentieren.

1998
Bereits im Jahr 1998 trug sich der Verein – vorwiegend der Vorsitzende
Siegfried Stutz und Bettina Köhler – mit dem Gedanken, einen jungen Chor zu gründen. In der Verwaltungssitzung am 14. 10. 1999 wurde dann darüber diskutiert und beraten. Allgemein war man sich darüber einig, dass der Liederkranz ein zweites Standbein brauchte um ein Fortbestehen des Vereins zu gewährleisten.
Der Grundstein für den jungen Chor wurde unter Anwesenheit von Dirigent Peter Shannon am 08. 11. 1999 in der Wohnung von Bettina Köhler gelegt. Die erste offizielle Probe fand am 18. 11. 1999 im Haus des
Vorsitzenden Siegfried Stutz statt. Die Gruppe hat sich spontan das Ziel gesetzt, schon bei der Winterfeier 2000 aufzutreten. Mit ihrem ersten Lied „Bar ´bar Ann“ erhielt der Chor tosenden Applaus.

Der Traditionschor und der junge Chor bestehen seitdem selbstständig
nebeneinander und unterstützen sich gegenseitig in hohem Maße bei
konzertanten Veranstaltungen und Aktivitäten. So organisierte und leitete ab sofort der junge Chor die Ferienspaßaktionen. Eine vom
jungen Chor eingeführte und inzwischen schon zur Tradition gewordene
Aktivität ist die Teilnahme beim Kirchweihfest mit ihrem                     „Cafe Hefekranz“ zur Unterstützung der Vereinskasse.

Rechtzeitig zum 90-jährigen Jubiläum legten sich die Sängerinnen und Sänger neue Vereinskleidung zu. Bereits Anfang 1996 hatte sich eine
Arbeitsgruppe unter der Leitung von Bettina Köhler daran gemacht,
Stoffe für Röcke und Jacken sowie Krawatten auszuwählen und die
neue Kleidung zusammenzustellen.
Nach unzähligen Anproben und mehrmaliges Maßnehmen, konnte die neue Vereinskleidung schließlich beim Jubiläumsfest erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

2002
Siegfried Stutz schied auf eigenen Wunsch 2002 aus dem Amt des Vorsitzenden aus. Sein Nachfolger wurde Karl Ratzel, der das Amt als Vorsitzender schon einmal von 1983 -1988 innehatte.
Durch Mehrheitsbeschluss bei den Wahlen wurde der langjährig
stellvertretende Vorsitzende Heinz Köhler durch Thomas Bolz ersetzt.
Schriftführerin blieb Gudrun Abstein, Kassier Gerhard Kuhn,
Pressereferentin wurde Helgard Günther (nachdem Heidi Limbach
ebenfalls von ihrem Amt zurücktrat), Frauenvertreterin u.
Vizechorleiterin Bettina Köhler, Heinz Köhler als Vizechorleiter,
Notenwart Helmut Mangold, sowie weitere Beisitzer.

Als Verwaltungsmann war Karl Ratzel ein hervorragender Organisator. In seiner Antrittsrede bekräftigte er selbst, dass es nun an der Zeit
sei, einen Generationswechsel einzuläuten.

2005
Vorstandswechsel
vor dem Jubiläumsjahr – schlimmeres konnte dem Verein nicht passieren. Der Liederkranz hatte mal wieder eine schwere Krise zu bewältigen.

Für alle überraschend legte Karl Ratzel am 17.08.2005 seinen Vorsitz nieder. Kommissarisch übernahm nun bis zu den Neuwahlen im Februar 2006 der stellvertretende Vorsitzende Thomas Bolz das Schicksal des Gesangvereins.                                                                                             Bei den Neuwahlen stellte sich Thomas Bolz aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl. Intensive Überzeugungsarbeit musste die  Verwaltung leisten, bis sich schließlich Bettina Köhler zur Kandidatur bereiterklärte und mit  wurde.

Damit stand zum ersten Mal in der Geschichte des Liederkranzes – was früher nie vorstellbar gewesen wäre – eine Frau an der Spitze der Chorgemeinschaft.

War dies jedoch noch nicht genug, denn fast die gesamte Verwaltung liegt, wie man erkennen kann, überwiegend in Frauenhänden.

2006
Kaum drei Monate im Amt musste Bettina Köhler ihre erste  Bewährungsprobe bestehen: Nach 10-jähriger gemeinsamer Tätigkeit für den Chorgesang musste man sich von Peter Shannon trennen und es musste schnellstens für einen Ersatz gesorgt werden.

Ein Geschenk des Himmels war, dass mit Clemens Ratzel rasch ein Dirigent gefunden wurde, der zum Liederkranz passte. Mit ihm bekam der Chor einen erfahrenen klugen und in Fachkreisen bereits anerkannten
Chordirigenten. Sein Bestreben ist es, den Chören des Vereins neue
musikalische Impulse zu geben.
Clemens Ratzel ist auch Chorsänger in verschiedenen Ensembles auf nationaler und internationaler Ebene und zeigte auch sein schauspielerisches Können in dem schon nach 6 Monaten stattfindenden Mozart-Konzert.

2007
Der Liederkranz und ganz besonders Chorleiter Clemens Ratzel haben sich für das Jubiläumsjahr viel vorgenommen.

Der Projektchor, bestehend aus dem Songcircle der Chorgemeinschaft Liederkranz, Coro Contempi des GV Frohsinn Karlsruhe Hagsfeld und VGV 1847 Bretten probte monatelang in Zusatzsingstunden um das weltberühmte Werk
„Carmina Burana“ von Carl Orff zur Aufführung zu bringen.

Die überaus beliebte Vertonung mittelalterlicher Trink- und Liebeslieder
konnte der Chor – in historischer Gewandung - anlässlich des
Peter- und Paul-Festes in Bretten dreimal im überfüllten
Melanchtonhaus eindrucksvoll aufführen.

Auch in der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen wurde dieses Werk am 13. Oktober 2007 zweimal vor ausverkaufter und völlig begeisterter Kulisse aufgeführt. Ein unvergessliches Erlebnis.