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BNN vom 19.01.2012

Amtsblatt Eggenstein-Leopoldshafen vom20.01.2012

Jenkins „A mass for peace“

Einen nachdenklichen und eindrücklichen Abend verschafften am Sonntagabend die Chöre SONGCIRCLE (Leistungschor der Chorgemeinschaft Liederkranz) und CORO CONTEMPI (Gesangverein Frohsinn Hagsfeld) unter der Leitung von Clemens Ratzel kulturinteressierten Musikliebhabern. In der ausverkauften Katholischen Kirche St. Albertus-Magnus in Leopoldshafen brachten sie mit großem Erfolg Jenkins „The Armed Men – A Mass for Peace“ – eine Friedensmesse – auf die Bühne und sangen mit überzeugender Stimmkraft gegen den Krieg in der Welt an.
Karl Jenkins (zeitgenössischer walisischer Komponist) in der Zeit des Kosovokrieges entstandene Messe „The Armed Man“ bezieht mit musikalisch-künstlerischen Mitteln Stellung gegen politisch und religiös motivierte Kriege und kann als Plädoyer für Frieden auf der Grundlage der Anerkennung von Vielfalt verstanden werden. Das nach wie vor aktuelle Stück setzt sich zusammen aus religiösen Schriften unterschiedlicher Glaubensrichtungen, Volksliedern, Kriegsliedern und Augenzeugenberichten sowie deren Vertonung mittels volkstümlicher, militärischer sowie choraler Melodien. Nebeneinander stehen in arabischer, französischer, englischer und lateinischer Sprache unterschiedliche Musik-/Kulturen. Inhaltlich liegen sie im Krieg miteinander: die verschiedenen Länder, die verschiedenen Religionen. Formal sind sie vereint. Indem Jenkins Bibelstellen mit militärischer Musik unterlegt, verbindet er scheinbar Getrenntes und weist auf die Widersprüchlichkeit und Paradoxie hin, das Aufrufen zu gegenseitigem Mord mit dem Wohl der Menschheit auf der Grundlage christlicher Werten zu legitimieren. Verstärkt wurde dieses Moment durch die Aufführung des Stückes in der katholischen Kirche, auf seine Aktualität hingewiesen durch den arabischen „Call to Prayers“, einem „Aufruf zum Gebet“ von einem Muezzin.
Gestimmt hat an diesem Abend alles: die eindringenden Stimmen der Sängerinnen und Sänger sowie ihre überzeugende Darbietung anspruchsvoller Lieder, die musikalische Unterlegung durch das Schlagwerk Jugendmusikschule Bretten sowie die Musiker der Badischen Staatskapelle Karlsruhe, die Präsentation des Stücks durch den einführenden Vortrag von Frau Schreieck, die visuelle Hinterlegung der Aufführung durch Bildprojektionen zur Verstärkung der Eindrücke, die begleitende Ausstellung von eigens für das Stück erschaffenen Aquarellen sowie nicht zuletzt die Frage, die allen Anwesenden gestellt wurde: Hoffnung oder Utopie? Standing Ovations und zwei Zugaben zeugen von der Begeisterung des Publikums an der Leistung der Darbietenden, anscheidend aber auch von der Aktualität und Relevanz des Themas in der heutigen Zeit sowie dem Willen, sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Auf diese Art kann das Stück einleiten, was es im Titel trägt: den Frieden.